Bryher

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Bryher

Britische Schriftstellerin, Filmproduzentin und Mäzenin
Bryher ist das Pseudonym von Annie Winifred Ellerman, Anne Winifred Ellerman, Winifred Ellerman, Anne Winifred Ellerman McAlmon, Anne Winifred Ellerman Macpherson, oder Winifred Bryer

*02. September 1894, London oder Margate, Kent; †28. Januar 1983, Vevey, Schweiz

Biografie

Winifred Ellerman träumte davon zur See zu fahren und später die Geschäfte ihres Vaters - ein Reeder und einer der reichsten Männer Englands - zu übernehmen. Soweit kam es aber nicht, sie wurde Schriftstellerin unter dem androgynen Pseudonym Bryher. Zwischen 1940 und 1970 entstanden zehn historische Romane, in denen sie ihre auf vielen Reisen gewonnenen geografischen und geschichtlichen Kenntnisse verarbeitete.
"Mit 24 lernte Bryher ihre große Liebe kennen, die acht Jahre ältere amerikanische Schriftstellerin Hilda Doolittle (H. D.), Star der von Ezra Pound begründeten »Imagismus«-Bewegung, eine auffällige Schönheit, hochbegabt und zum Zeitpunkt ihrer Begegnung schwanger und schwer lungenkrank. Bryher rettete sie, kümmerte sich um die Tochter, die sie später adoptierte, sicherte Hilda Doolittles Lebensunterhalt und unterstützte sie auch, wenn sie in realitätsferne Bewusstseinszustände eintauchte, aus denen sie die Inspiration für ihre Dichtung bezog."[1]
1933 lebte [H.D.] seit 13 Jahren "in Gemeinschaft mit ihrer Freundin Bryher und ihrer 1919 geborenen Tochter Perdita. Die Verhältnisse waren kompliziert in er Weise, die uns heute nicht ohne weiteres vertraut ist. Bryher war zu diesem Zeitpunkt zum zweitenmal verheiratet. Ihr junger Ehemann lebte mit den beiden Frauen zusammen [...]. Die drei zusammen waren ein kreatives Trio, das sich für den Experimentalfilm engagierte und eine Filmzeitschrift herausgab. Bryher pflegte aus praktischen Gründen zu heiraten. Sie verstand sich als lesbisch und benutzte ihre Ehemänner als Deckung gegenüber ihrer Familie, die vermögend und einflussreich war."[2]

Die beiden waren 43 Jahre in einer Beziehung, die bis zum Tod von Hilda Doolittle 1961 dauerte. Sie reisten sie viel; feste Wohnsitze hatten sie in London, Paris und in der Schweiz. "Aus Rücksichtnahme auf ihre Familie und ihre Freundin ging Bryher zweimal Scheinehen ein. Beiden Ehemännern finanzierte sie bedeutende Projekte." [1]

Aktivitäten

Bryher schrieb zuerst Gedichte, Übersetzungen, Literaturkommentare, einen autobiografisch geprägten Roman und Filmtexte. Erst spät fand sie ihre Berufung: historische Romane.
Bryher war in den 1920er- und 1930er-Jahre eine bedeutende Mäzenin. Sie gründete einen Fond für Frauen, die sich selbständig machen wollten, vergab Reisestipendien, unterstützte deutsche EmigrantInnen während des Kriegs und half einzelnen wie James Joyce und Djuna Barnes.

Publikationen

Literatur

  • Film über die Villa Kenwin in La Tour-de-Peilz am Genfersee: "Kenwin" von Véronique Goel, 1996

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Bryher auf Fembio.org
  2. Verena Blumer. Über einen historischen Kampf um Weiblichkeitskonzepte. H.D., Freud und die Psychoanalyse. In: Querfeldein - Beiträge zur Lesbenforschung S. 80-88, S. 80.
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