Maid in Switzerland

Aus Das Wiki zur Lesbengeschichte der Schweiz
Zur Navigation springen Zur Suche springen

2019 gibt es zu diesem Eintrag einen Jahrestag oder ein Jubiläum. Hilf uns, den Artikel zu ergänzen.


Theaterstück 1999. Regie: Lisa Bachmann

Inhalt

Fünf Lesben versuchen, ihr zunehmend defizitäres Frauenlokal Maiden neu zu positionieren und dabei möglichst sich oder eine Partnerin zu finden. In lockerer Folge werden Szenen aus dem (Lesben-)Alltag gespielt, beim Kochen, Arbeiten, Wandern, Chatten via Computer oder Telefonieren.

Den überzeugendsten Aspekt der teils recht derben, frivolen, dann wiederum durchaus subtilen Komik ­ deren angekündigte Verwandtschaft zum Comic nicht ohne weiteres einsehbar war ­ bot das Happening in der Figurenzeichnung und in deren Einbau in einen «lesbischen» Kontext. Tatsächlich präsentierten Anne-Catherine Falentin, Julia Maurer, Brigitte Bernard, Maya Gaennslen und Daisy Grimm dem Publikum mitunter radikal karikierte Typen, denen man nicht in jeder Szene gerecht werden oder gar nahekommen konnte. Dies war wahrscheinlich auch nicht die Absicht. Letztere bestand eher darin, die lesbischen Lebensweisen im Alltag und in ihrem Variantenreichtum abzubilden. Dafür mussten die Charaktere herhalten. Sie wurden in einigen Szenen geradezu gnadenlos überspitzt dargestellt, um vorschnellen Definierungen beziehungsweise Schubladisierungen vom «Lesbischsein» jeden Boden zu entziehen. Die fünf Protagonistinnen wurden stark in gegensätzlichste Richtungen typisiert, damit eine Schematisierung ihrer Gemeinsamkeit verunmöglicht wurde. Oder pathetischer formuliert: Die Figuren gingen eines anständigen Teils ihrer Freiheit und Unabhängigkeit (was ist das schon auf der Bühne?) verlustig, um der Etikette «lesbisch» die oft genommene Freiheit wiederzugeben. Fünf Karikaturen überspannten in ihrer Gegensätzlichkeit den Bogen einer Schematisierung deutlich. Die Etikette riss ab. Somit war frau «definitiv vom anderen Ufer».
Apropos Etikette. Um sie kümmerte sich «Maid in Switzerland» genausowenig, was den sogenannt guten Geschmack angeht. Da zappte frau sich durch Wortwitze, etwa zum Thema Lotto: «Mal öppis anders: Statt äs Nümmerli schiebe äs Nümmerli zieh.» Oder es wurde eine burleske Bachüberquerung zweier Lesben mit gegenseitig handgreiflichen Hilfestellungen gegen das Nasswerden simuliert. Als besondere Höhepunkte stachen aber vielmehr umwerfend gelungene Playbackshows zu Titeln K. D. Langs und Céline Dions («Ne partez pas sans moi») hervor sowie die Probeszenen zu einer lesbischen Version von «SwissDate». In selbiger versuchte frau sich nebst der Parodie deftiger Anbaggermethoden sogar im Ernst zu verabreden. Schade wie gesagt nur, dass das zuvor geschilderte Überspannen des Bogens im Schauspielerischen und im Text keine dramaturgische Entsprechung fand. Die Reihenfolge der oft effektiv auf Sketchformat und -effekt zugeschnittenen Episoden hätte fast beliebig variiert werden können. Angesichts der vielen erfolgreichen Pointen verkaufte sich die Struktur, vor allem das Abwechseln von jeweils ein bis zwei Auftritten aller fünf Frauen mit den allzu ausgebauten, doch leicht zu klischierten Telefonaten mit den Müttern, als zu teuer. [1]

Besetzung

Test und Regie: Lisa Bachmann
Spiel[2]

  • die coole Werbefrau Rita (Brigitte Bernard), die sich äusserlich sowohl in der Lesben- wie in der anderen Welt gut zurechtfindet.
  • Petra (Daisy Grimm), die ruhige zurückgezogene Gärtnerin, die sich lieber raushält,wenn's hoch geht
  • Nina Maya Gaennslen, die ungelenk versucht, endlich ihre Jungfräulichkeit loszuwerden
  • die forsche Alex Julia Maurer ist ständig auf der Suche nach einem Kick
  • die Deutsche Angelika (Anne-Catherine Falentin) reibt den Schweizerinnen gerne ihre Behäbigkeit unter die Nase

Aufführungen

Einzelnachweise

  1. Klar vom anderen Ufer. Neue Luzerner Zeitung / Zuger Zeitung Kultur, 03. Mai 1999.
  2. Alltag von Lesben. Neue Luzerner Zeitung / Luzerner Zeitung StadtLuzern, 22. Mai 1999